Bad Endorf - Einen besonders schweißtreibenden Tag erlebte die Mannschaft
der Bad Endorfer Feuerwehr am Montag 27. Juli. Am frühen Nachmittag
bei Außentemperaturen um 35° erfolgte der erste Alarm zu einem
Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person. Auf die Warteschlange vor
der berüchtigten Ampelkreuzung in der Ortsmitte fuhr aus der Traunsteiner
Richtung ein PKW praktisch ungebremst auf.
Aus unbekannten Gründen hatte der Fahrer das Stauende nicht
rechtzeitig erkannt und schob gleich mehrere Fahrzeuge aufeinander. Dabei
wurden sogar einige Fahrzeuge nebeneinander versetzt und in einen angrenzenden
Gartenzaun geschleudert. Der Verursacher wurde in seinem Fahrzeug schwer
verletzt und eingeklemmt. Alle anderen Beteiligten konnten sich selbst
aus ihren demolierten Fahrzeugen retten. Das ganze spielte sich in so
drangvoller Enge ab, dass auch die Zufahrt zur Einsatzstelle massiv erschwert
wurde. Zusätzlich kam der starke Berufsverkehr im gesamten Ortskern
durch die unfallbedingten Behinderungen sofort völlig zum Erliegen.
Das Großaufgebot an Rettungsfahrzeugen sorgte zusätzlich für
weitere Platznot.
Später wurde der Feuerwehr mehrfach berichtet, dass die entstandenen
Staus sich zig-kilometerweit über den Ortsbereich hinaus in alle
Himmelsrichtungen erstreckten.
Von Hand wurden zunächst die Fahrzeugwracks auseinander geschoben
um an die Fahrerseite des Verursacherfahrzeugs heran zu kommen. Sämtliche
Airbags in dem fast neuwertigen PKW hatten ausgelöst, was für
den Fahrer zweifellos lebensrettend war. Nach Heraustrennung der gesamten
Fahrerseite mit der Rettungsschere konnte der Fahrer vom Rettungsdienst
dann rasch und schonend übernommen werden.
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Auf den Gehsteigen neben der Fahrbahn versorgten zeitgleich auch Feuerwehrkräfte
die diversen leicht verletzten Unfallbeteiligten. Hier konnte erfreulicherweise
festgestellt werden, dass die Anwohner spontan bei Erste-Hilfe-Maßnahmen
mithalfen und die Einsatzkräfte voll unterstützten. Auch die schwitzenden
Feuerwehrkräfte selbst wurden unaufgefordert von einigen Nachbarn mit
Mineralwasserflaschen freundlich versorgt.
Völlig chancenlos waren die Feuerwehrmänner jedoch, die von den
anwesenden zwei Polizeikräften dringend um Mithilfe bei der Verkehrslenkung
gebeten wurden. |
Die komplizierte Phasenfolge der Ampel am Bad
Endorfer Kirchplatz machte eine Verkehrsregelung von Hand unmöglich.
Eine vorübergehende Abschaltung der gesamten Anlage wäre die einzige
Lösung gewesen, der einzige existierende Schaltkasten-Schlüssel
war jedoch für die Einsatzkräfte kurzfristig überhaupt nicht
erreichbar.
Eine technische Abhilfe dafür wurde zwischenzeitig schon zwischen örtlichem
Ordnungsamt, Polizei und Straßenmeisterei vereinbart. Das örtliche
Energieversorgungsunternehmen wird in solchen Einzelfällen auf Anforderung
der Feuerwehr die Stromversorgung der gesamten Ampelanlage zukünftig
unverzüglich abschalten. |
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Rund eine Stunde nach Abschluss der Aufräumungsarbeiten am Kirchplatz
wurde ein erneuter Unfall mit eingeklemmter Person gemeldet. Diesmal war
ein Paketlieferwagen am Ortsausgang nach Halfing bei einem waghalsigen
Überholmanöver in die Fahrerseite eines Kleinwagens gekracht,
der aus der überholten Kolonne heraus links in eine Einfahrt abbiegen
wollte. Beide Fahrzeuge schleuderten in die angrenzende Wiese. Im Kleinwagen
befand sich eine vierköpfige Urlauberfamilie mit zwei Kleinkindern
auf der Rücksitzbank. Trotz der vorschriftsmäßigen Kindersitze
wurden beide Kinder durch herumfliegende Splitter verletzt. Außerdem
standen beide Kleinkinder unter massivem Schock.
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Die Bad Endorfer Feuerwehr traf zeitgleich mit dem ersten RTW am Unfallort
ein und übernahm unter anderem auch die Erstversorgung der beiden Kinder
und des Lieferwagenfahrers.
Sofort wurden Decken und Feuerwehrmäntel als Sonnenschutz umfunktioniert
um die Verletzten vor der unerträglichen Sonnenhitze zu schützen.
Der Rettungsdienst hatte unter ganz erheblichem Kräftemangel zu leiden,
da genau zur gleichen Zeit der Wasserrettungs-Großeinsatz an der Mangfall
im Bad Aiblinger Bereich ablief.
Die noch anwesende Schichtwechsel-Mannschaft der Bad Endorfer BRK-Rettungswache
besetzte trotz Dienstende umgehend den Rettungswagen der ehrenamtlichen
Bereitschaft und eilte damit zum Unfallort. Entgegen der ersten Meldung
war der Fahrer des Kleinwagens zum Glück nicht eingeklemmt. Somit beschränkte
sich die Tätigkeit der Feuerwehr auf die bestmögliche Unterstützung
der medizinischen Erstversorgung bei den insgesamt fünf verletzten
Unfallbeteiligten. Wegen den überall völlig überlasteten
Notaufnahmen der Krankenhäuser gestaltete sich die Suche nach einem
geeigneten Transportziel durch die Rettungsleitstelle sehr schwierig. Erst
mit etwa einstündiger Verspätung konnten sowohl die RTW als auch
der Rettungshubschrauber dann die Unfallstelle Richtung Krankenhaus verlassen.
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Gekrönt wurde der „heiße“ Tag noch durch eine schon
langfristig geplante abendliche Übung zusammen mit den Ortswehren Antwort,
Hemhof und Hirnsberg. Passenderweise hieß dafür das angenommene
Szenario: „Schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person“.
Wenige Minuten nachdem also der Rettungshubschrauber von der letzten realen
Unfallstelle abgehoben hatte, begaben sich die Bad Endorfer Wehrmänner
pflichtbewusst zum vereinbarten Übungsschauplatz und absolvierten somit
zum dritten Mal an diesem Tag einen nun gewiss äußerst routinierten
technischen Rettungseinsatz.
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Bericht: Mario Kögl, 1. Kdt. FF Bad Endorf
Fotos: : R. Ammelburger und FF Bad Endor
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